Grossartige Gastgeber – für alle

– Seit 2014 prägt Ilona Schmiel als Intendantin der Tonhalle-Gesellschaft Zürich die Modernisierung des renommierten Orchesters. Sie sieht im Umbau und der Renovierung des Kongresshauses und der Tonhalle Zürich grosse Chancen.

Frau Schmiel, was beschäftigt Sie gerade?

Mich beschäftigt heute, wie es im März und allgemein im Jahr 2021 weitergeht, vor allem mit Corona. Ab wann können wir live spielen? Spielen wir vor Publikum und falls ja, vor wie vielen Menschen? Dazu gehören auch Überlegungen bezüglich der internationalen Mobilität der Musiker*innen für Tourneen. Wir sind im Moment sehr auf uns zurückgeworfen, und dabei gilt es, die Motivation der über 150 Mitarbeitenden hochzuhalten. Die Vorfreude auf den Umzug spielt dabei eine grosse Rolle.

«Wir wollen die historischen Gebäude zeitgemäss wiederbeleben und zugänglicher machen.»

Ilona Schmiel, Intendantin der Tonhalle Zürich

Genau, im Sommer bezieht das Tonhalle-Orchester Zürich wieder die historischen Räumlichkeiten am See. Was beinhaltet diese Vorfreude?

Sie gibt uns einen Fixpunkt und eine Zukunftsperspektive. Die Bindung zum jetzigen Maag-Areal ist natürlich da, aber wir freuen uns auf unser Stammhaus, ein fantastisches historisches Gebäude, und wollen es zeitgemäss und relevant wiederbeleben, niederschwelliger zugänglich machen – unabhängig von Alter, Bildung und Portemonnaie. In der Tonhalle Maag ist uns das gelungen und diesen Spirit wollen wir mitnehmen.

 

Was kann das Publikum von der renovierten Tonhalle Zürich erwarten?

Die «alte» Tonhalle Zürich hatte ja tatsächlich eine etwas verstaubte Patina. Vieles wirkte in die Jahre gekommen, auch die Foyers und der Eingang. Jetzt hat alles eine viel frischere Ausstrahlung. Die freundlichen Farben und dann die neue Orgel, die sich perfekt einfügt – das ergibt ein ganz neues Bild. Details und Gemälde kommen wieder viel besser zur Geltung und wirken sehr plastisch. Das alles wird auch die Art und Weise verändern, wie man sich fühlt, wie man alles aufnimmt – und auch wie das Publikum hört, denke ich.

 

Wie wichtig ist eine Spielstätte für die Musiker*innen?

Für die Musiker*innen ist es wichtig, eine Art Heimat zu haben, die Wege hinter der Bühne zu kennen, sich identifizieren zu können – das haben ja nicht alle Ensembles. Die Akustik wird in der Tonhalle Zürich wieder anders sein als im Maag-Areal, aber die Musiker*innen werden sich erinnern und schnell darauf einstellen können. Das muss man ja sowieso, wenn man als Ensemble viel reist. Wichtig ist, sich auf der Bühne sicher und wohl zu fühlen, damit Höchstleistung möglich ist und man das Risiko eingehen kann, alles zu geben.

 

Was macht das Ensemble aus – was ist typisch für das Tonhalle-Orchester Zürich?

Das Tonhalle-Orchester Zürich war schon immer ein sehr guter Klangkörper in Europa. Das gesamte Orchester ist hochmotiviert, gemeinsam mit unserem Music Director Paavo Järvi auch weltweit auf die Top-Ten-Landkarte zu kommen. Wir haben einen charakteristischen, sehr warmen Klang, mit einem stark aus der Romantik geprägten Klangideal. Daran feilen wir weiter und reagieren auf veränderte Hörgewohnheiten. Die Digitalisierung, nun durch Corona beschleunigt, spielt dabei eine wichtige Rolle: Sie bietet für das Orchester grosses Entwicklungspotenzial.

 

Wird diese Entwicklung auch Einfluss auf die Spielzeit und das künstlerische Programm 2021/22 haben?

Wir werden diese digitale Ebene definitiv beibehalten und auch ausbauen – mit oder ohne Corona. Streamings zum Beispiel sind zwar kein Ersatz für Live-Konzerte, aber als Ergänzung nicht mehr wegzudenken. Und sie bilden für viele Menschen eine Chance, an der Kultur teilzuhaben. Zum künstlerischen Programm kann ich nur soviel verraten: Das offizielle Eröffnungskonzert findet am 15. September 2021 statt.

 

Die Renovation und der Aufbau der Tonhalle Maag inklusive der Umzüge ist wahrscheinlich nicht gerade Alltag für eine Intendantin – macht Ihnen das Spass?

Ja, das macht mir grossen Spass und es hat mich gejuckt, diese Phase mitzumachen. Es ist einfach faszinierend zu sehen, wie etwas gestaltet wird, wenn im Konzertsaal der Tonhalle Maag jeder Luxus fehlt und es wirklich um Notwendigkeiten geht. Man merkt dann, wie wenig man braucht, und begreift, wie wichtig damals die Kunst war, dass man sich solche opulenten Säle wie die 1895 eröffnete Tonhalle gegönnt hat – Sinnbilder für wertgeschätztes geistiges Leben.

 

Was bedeutet das Haus heute für Zürich?

Es ist eine ganz grosse Chance für den Standort Zürich. Wir sind eine Weltmetropole, aber die Menschen vergessen fast, was sie alles an Institutionen in Zürich haben. Wenn man sich das mal anschaut in dieser Dichte, Schönheit und Qualität – das ist wirklich einzigartig. Ich hoffe, dass die Menschen das neue Haus mit allen Sinnen erleben und geniessen werden, es aber auch für die internationale Standortbetrachtung ein wichtiges Argument sein wird.

 

Die beiden «Schwestern», die Tonhalle-Gesellschaft Zürich AG und die Kongresshaus Zürich AG, werden gemeinsam das Haus wiedereröffnen. Was wünschen Sie sich von der Zusammenarbeit mit der Kongresshaus Zürich AG?

Ich wünsche mir grosse Offenheit und Neugierde, man begibt sich zusammen auf eine Reise und vieles muss noch zusammenwachsen. Ganz konkret hoffe ich, dass wir gerade nach den Konzerten einen Aufenthaltsort mit einer lockeren, anregenden Atmosphäre kreieren können. Auf den Punkt gebracht: Ich wünsche mir, gemeinsam grossartige Gastgeber zu sein – für alle.

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